Warum es nicht ok ist, bei “Last Christmas” zu pfeifen…

Fußball und Musik gehören wahrscheinlich zu den emotionalsten Themen der Populärkultur. Als ich in der Saison 1990/91, aufgrund der Überredungskünste meiner Freunde, einwilligte einem Spiel des FC St. Pauli beizuwohnen, war es nach den ersten Minuten um mich geschehen: Ich habe mich sofort in diesen Verein verliebt, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Jahrelang hatte ich, als talentierter Jugendkicker, jeden Albtraum der 80er-Jahre Fußballkultur durchlebt und aufgrund meiner Erlebnisse bei eigenen oder Profispielen zu dem Zeitpunkt mit dem gesamten Sport abgeschlossen, und dann das: Ein Verein, der Subkultur, Antifaschismus und Punk in Reinkultur lebt. Zum ersten Mal fühlte ich mich im Rahmen eines Fußballspiels zu Hause.

Die Liebe zu diesem einmaligen Verein basiert seitdem auf wenigen, aber für mich extrem wichtigen, Säulen:

1. Die klare Positionierung gegen rechte Lebensanschaungen.
2. Der emotionale familiäre Zusammenhalt der Fankultur – denn gemeinsame Ideale führen zu einem unglaublich starken Zusammenhalt.
3. Toleranz (Natürlich nicht den Nazi-Scumbags gegenüber…)

Die Fankultur hat sich seit meinen Anfangstagen als Anhänger verändert, und das ist auch gut! Schon vor einigen Jahren hat die Vereinsspitze erkannt, dass die Fanszene des FCSP stark überaltert ist (siehe GG…) Daher war ich sehr glücklich über die Entwicklung der Ultra-Szene auf der Süd, denn Stillstand und Ablehnung von Veränderung sind die Grundpfeiler des Spießertums, und leider begegnen mir solche Haltungen in den letzten Jahren vermehrt auf den Tribünen unseres geliebten Vereins.

Gerade beim unglücklichen und ungerechten 1:2 gegen den KSC stand ein Fan neben mir, der seiner Begleitung den FC St. Pauli erklärte, was ungefähr so klang: Also das hätte es früher nicht gegeben, “Last Christmas” am Millerntor… Aber warum? Weil beim Einlaufen AC/DC gespielt wird, und der Verein deshalb für Hardrock steht, stehen muss? Weil nach Heimtoren Blurs “Song2″ durchs Stadion dröhnt? Damon Albarn hat übrigens deutlich bessere Songs als diesen geschrieben – auch wenn ich das Gitarrengeschrammel nicht missen möchte, wenn unsere Jungs ein Tor erzielen :-)

Der gemeinsame emotionale Nenner aller St. Pauli-Fans ist die Liebe zum Verein und die Werte, für die dieser steht, und deshalb finde ich es absolut nicht ok, bei “Last Christmas” zu pfeifen. Pfiffe hatte an diesem Abend eigentlich nur das Schiedsrichter-Gespann verdient.

Für mich übrigens, trotz einiger Auf- und Nicht-Abstiege, einer der schönsten und emotionalisten Momente mit dem FCSP (und Vicky Leandros…)

 

 

 

Was wurde eigentlich aus Gustavo Acosta?

Seit einigen Jahren kommt mir immer wieder, wie aus dem Nichts, ein Name in den Sinn: Gustavo Acosta. Es war Anfang der Neunzigerjahre, St. Pauli spielte mit Thomforde, Damann und Kocian in der damals noch zweigeteilten 2. Bundesliga. Den meisten Fans ist gustavo_acosta2wahrscheinlich der Name Olck, der den legendären Schlachtruf “Wir sind das Olck!” provozierte, geläufiger als Acosta, der in der Saison 1990/91 16 Spiele in Braun-Weiß absolvierte und dabei beachtliche 3 Treffer erzielte.

Ich war auf jeden Fall ein großer Fan des argentinischen Dribblers, der durch seine tolle Technik meine Aufmerksamkeit auf sich zog und konnte nie verstehen, warum man von so einem begnadeten Kicker nie wieder etwas hörte. Deshalb machte ich mich an die Internetrecherche. Obwohl Acosta, wie ich verwundert erfuhr, mit Ferro Carril Oeste vor seinem Gastspiel bei St. Pauli zwei Mal die argentinische Meisterschaft gewann, findet man im Netz erstaunlich wenig über den Mittelfeldspieler. Heute wäre so etwas aufgrund unserer vernetzen Welt wohl undenkbar. Schade, ich hätte nur allzu gerne noch einmal gesehen, wie filigran er mit dem Ball umging.

gustavo_acostaDementsprechend ernüchternd sind auch die weiteren Fakten, die das Netz offenbarte: Acosta ging von St. Pauli zum SV Lurup und spielte in den späten 1990er Jahren in der spanischen zweiten Liga bei UE Lleida, sowie beim Drittligisten Cádiz CF. Er beendete seine Karriere 1998 beim kolumbianischen Verein Independiente Medellín.

Vielleicht weiß ja irgendjemand, der dies liest, was Acosta heute macht.

Gustavo Acosta bei
Fussballdaten:
Wikipedia:

Top 5 Magische FC St. Pauli Momente

In schlechten Zeiten neigt auch der gemeine Fußballfan dazu, sich an Momente zu erinnern, in denen die Welt noch nicht düster und hoffnungslos aussah. Das ist bei mir nicht anders. Und mit dem immer näher rückenden, drohenden Abstieg nehmen diese Momente bei mir exponential zu. Leipzig, Kaiserslautern, Bochum und Darmstadt in Verbindung mit einer Abstiegskonkurrenz, die regelmäßig fleißig Punkte sammelt – das lässt wenig Raum für Hoffnung.
Quasi als Droge und um mich aufzuheitern schaue ich mir deshalb immer wieder Videos aus besseren Zeiten an. Anbei findet ihr die Top 5 Liste meiner schönsten Momente als St. Pauli Fan.

1. Derbysieg 2011


2. Das legendäre 2:1 gegen den FC Bayern 2002

3. Marins Tor zum Klassenerhalt in der Saison 1999/2000


4. Deniz Baris Tor zum Aufstieg 2001 in Nürnberg


5. Aufstiegsfeier 1995 (Das 5:0 gegen Homburg war aufgrund der Ungewissheit nach dem “Abpfiff” ein Alptraum)

 

 

 

 

 

 

 

 

Marins Tor zum Klassenerhalt in der Saison 1999/2000

Eigentlich wollte ich nie wieder in meinem Leben auf einen Stadionzaun steigen. Ich weiß noch, wo es das erste (und bisher einzige) Mal passiert ist: Es war das letzte Spiel der Saison 1999/2000 gegen Rot Weiß Oberhausen, und die letzte Minute hatte begonnen. Ein Tor musste her, um die Klasse zu halten. Und dann passiert es: Ivan Klasnic kommt an den Ball, wühlt sich durch und hämmert den Ball fast von der Grundlinie in die Mitte, auf Marcus Marin…

Was für eine Erlösung. Jeder, der dabei war, weiß wovon ich rede. Bis dahin war es ein einziges Leiden gewesen, ein Zittern bis zur letzten Minute der Saison.

Wohl jeder St. Pauli Fan hat sich in diesem Moment gewünscht, so eine Dramatik nie wieder erleben zu müssen. Aber: Unter den jetzigen Bedingungen wäre ich froh, nach Abpfiff in Darmstadt genauso feiern zu können wie damals gegen Oberhausen.

Für alle die, die am 26. Mai 2000 nicht dabei waren (und natürlich auch noch einmal für mich):

Dennis Daube verlässt St. Pauli

Irgendwie doof: Dennis Daube geht. Er verlässt den FC St. Pauli in Richtung Berlin, das hat der Verein heute auf seiner Homepage bekannt gegeben. Bei Union Berlin bekommt Daube, 25, einen Vertrag bis Juni 2017. In Hamburg wäre sein Vertrag im Sommer ausgelaufen. Schade, Dennis… Wir hätten dich gern am Millerntor behalten!

Derby-Zeit am Millerntor

Nach über 48 Jahren ist es soweit. Der FC St. Pauli wird endlich wieder ein echtes Derby am heimischen Millerntor bestreiten. Trotz des üblen Angriffs einiger HSV-Hooligans nach dem Freiburg-Spiel bleibt zu hoffen, dass es bei aller Rivalität am Sonntag nicht zu größeren Ausschreitungen kommt.

Für alle die nicht dabei waren gibt es hier noch mal Richard Golz großartige Vorlage zum 2:2 aus der Saison 1996/97 in Bild und Ton.